von
Marita Vandicken, Düsseldorf

 

Mein Collietraum

Mein eigener Collietraum brauchte drei Jahrzehnte, bis er in Erfüllung ging ...Die jährlichen Weihnachtswunschzettel und meine obligatorischen Kreuzchen in den Versandhauskatalogen, in denen man damals Collies bestellen konnte  (ja - so schlimm war das in den 60ern und 70ern ...) und auch vertrauliche Gespräche mit meiner Oma halfen mir nicht viel - meine Mutter blieb hart: Urlaub, Arbeit, Schmutz - die üblichen Einwände einer peniblen Hausfrau! Timmy im Fernsehen hatte ne Lassie, aber ich nicht..

Edinburgh/Scotland: echte Schotten
Edinburg / Scotland... Echter Schotte
Edinburgh/Scotland: echter Schotte

Als ich dann als "Teenie" 1973 ein damals bekanntes Collie- und Sheltie- Züchter- Ehepaar im jährlichen Wörthersee- Urlaub kennenlernte und drei Wochenlang "dog-sitter" sein durfte, wurde ich dann ganz verrückt nach Collies ... und erfuhr auch gleich, dass und warum man Hunde nur beim seriösen Züchter kaufen sollte.

Natürlich mussten sämtliche Hunde von Verwandten und Nachbarn herhalten, damit ich wenigstens Leihhunde hatte: Dackel, Großspitz, Schäferhund, Afghane, Mischlinge... Taschengeld ging oft für Collie- Postkarten und Hundebücher drauf.

Sogar mein "Trost"-Kaninchen Nicki musste dran glauben: sie schlief heimlich im Bett, kam auf Zuruf, schleppte Pantoffeln herbei und lief zur Tür, wenns klingelte - und an der Leine spazieren gingen wir natürlich auch... An eigenen Kleintieren und Fischen erprobte ich quasi meine Tierhalterqualitäten ;-)

Nach Schule, Ausbildung, Beruf, Kind, Wohnen in Grünlage am Wald, Teilzeitarbeit und durch meinen Vater, der in den Vorruhestand ging und morgens "dog-sitter" und mittags "Mama-Taxi" für Kleinkind und Hund sein wollte, wars dann endlich soweit. Meine Mutter telefonierte sogar für mich mit dem "VDH" in Dortmund und dem "Raad van Beheer" in Holland, machte - wie auch ich - Besichtigungstermine bei Züchtern in Holland und Deutschland aus ... sollte ja alles seine Ordnung haben, damit man den idealen Züchter und Welpen findet.

Das viele Telefonieren hätten wir uns sparen können - der erste Anblick von Collie-Welpen, total nette Züchter, eine ganz liebe Collie-Mutter und eine kleine Hündin, die mich aussuchte -und schliesslich nach dem Spielen auf meinem Schoß einschlief - das war sie ! Meine Lady - die Züchterin hatte Abschiedstränen in den Augen - und ich heulte vor Glück -endlich mein erster eigener Hund und sogar ein Collie ! (Wie gut, dass es damals noch Euroschecks gab ...)

Wir hatten nur etwas über fünf wunderschöne Jahre zusammen mit diesem absoluten Traumcollie. Als der Magenkrebs endlich (nach vielen Arztbesuchen) bei einer Operation entdeckt wurde, war es zu spät. Noch heute sitzt der Schock tief - deshalb kann ich heute noch nicht viel über sie schreiben oder sprechen. Sie war meine absolute Traumhündin: schön, verspielt, Wesen und Nerven ein Traum (im Gegensatz zu Sam und Quincey aber nach einem bösen Kinderstreich nicht mehr "schussfest", was Silvester stressig machte) und völlig auf mich fixiert (was manchmal ein Problem war, weil sie ihren Napf nur leerte, wenn ich da war). Ihr Vater Indy (Multi-Ch. Fabulous Boy of the Cleveland Hills)ist übrigens auch heute noch mein Schönheitsideal von einem Collie-Rüden.

Mein Vater wollte damals meine Trauer beenden - mein einziges Mitspracherecht bestand aus "keine Hündin mehr, sie hätte keine Chance gegen Lady" und "unbedingt wieder Aberthorne/Brettonpark-Vorfahren" - und so kam Sam zu uns. Er ist ein Sohn von Multi-Ch. Aberthorne Archery, seine Mutter(Grace Kayleigh of Glen Shiel) geht ebenfalls über die Cleveland Hills-Collies auf diese legendären Briten zurück.

Nach dem Motto "zwei Collies sind noch besser als ein Collie" zog dann Ostern 2001 - nach langer Suche (u.a. auch im Collie-Tierschutz) ein zweiter Rüde ein. Er sollte möglichst wieder verwandt mit Lady und Sam sein. Quincey ist der Sohn meiner ersten Traumhündin nach Lady: Dt. J. Ch. Caledonian Eliza Dolittle. Er machte unsere Familie komplett. Verwandt sind die beiden Jungs übrigens tatsächlich: über Ch. Jackaroo van Koridwenn und Ch. Lynway Seldom Sober gehört auch er zu den Nachfahren der Brettonpark- und Aberthorne-Collies.

Ahnenforschung macht mir Riesenspass, aber die Hauptsache ist, dass meine beiden Traumcollies nicht nur meiner Familie und mir das Leben unbezahlbar bereichern und ein Leben ohne Collies unvorstellbar wäre - auch vielen Mitmenschen bringen sie Freude in ihren Alltag.

Sie sind beide - sowohl der souveräne Sam mit mittlerem Temperament als auch Nesthäkchen Quincey, in dessen Vorfahren mal ne "wilde Hummel" gesteckt haben muss (wars etwa Oma Randy Sandy ...?) -Traumhunde geworden: die Steigerung von Collie ist eben Traumcollies.

Sie sind die Lieblinge der kleinen Nachbarskinder beim Fussballspielen, die Schmusehunde der Senioren aus dem nahegelegenen Altersheim, im täglichen Leben und sogar im Grundschulunterricht haben sie schon Schulkinder davon überzeugt, dass Hunde keine Bestien sind - aber eben auch keine Plüschtiere, die unsere heutige Gesellschaft oft verlangt. Mehr als ein Kind lief jedenfalls schon mit dem Traum vom eigenen Collie nach Hause.... das "Lassie-Image" vereinfacht das Leben mit Hund ungemein :-)))

So weit es unsere restliche private Zeit zulässt, sind Sam und Quincey mit mir auch in der Hundepolitik und im Tierschutz tätig - vermutlich als die bekanntesten Politik-Collies von NRW, denn ob Landtag oder Rathaus oder Hunde-Demonstrationen gegen unsinnige Hundegesetze, Rasselisten, generelle Leinenzwänge oder Hundesteuern: auch Angst vor "großen Tieren" kennen wir nicht ! Wenn Politiker als Kinder nicht nur "Lassie", sondern auch "Die kleinen Strolche" gesehen hätten, hätten sie unsere Hundehalter-Weisheit: Ein Hund ist das, was sein Mensch aus ihm macht - wie der Herr, so das Gescherr ! 

Fabolous Boy of the Cleveland Hills
Int. Ch. B Ch. NL Ch. Esgr. '98
KCM  Winnaar '88, '89, '91
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